2020, im Zuge der Coronakrise kam ich auf die Idee FAUN Sarl in Burkina Faso zu gründen – dem 'Land der aufrechten Menschen'. Mitten in einer Zeit globaler Unsicherheit sollte FAUN zum Symbol für Hoffnung, Widerstandskraft und den festen Willen, lokale Lösungen für lokale Herausforderungen zu schaffen.
Denn auf ein Mal war es nicht mehr möglich, Ein-Tages-Küken von Europa nach West Afrika zu transportieren: es gab einfach keine Flüge mehr!
FAUN steht für die Förderung Afrikanischer UNternehmen und trägt von Beginn an eine klare Vision in sich: lokale Stärke durch verantwortungsvolle, nachhaltige und kulturell sensible Entwicklung aufzubauen. Der Weg war nie einfach.
Als Gründer war mein Einsatz nicht nur unternehmerisch geprägt, sondern tief persönlich. Jede Phase der Entwicklung von FAUN forderte mein Durchhaltevermögen aufs Neue. Die Gründung von FAUN war nicht nur ein wirtschaftliches Projekt – es war ein kulturelles, menschliches und spirituelles Wagnis.
Die Orientierung an den 9 Levels of Value Systems half mir, diesen Weg bewusst und reflektiert zu gehen, nicht nur als Entscheidungsträger, sondern als Lernender und Begleiter einer komplexen Entwicklungsreise.
Phase 1: Purpur – Die spirituellen Wurzeln (2020)
Die ersten Schritte von FAUN waren zutiefst von der purpurnen Werteebene geprägt: Gemeinschaft, Rituale und Zugehörigkeit. Nach dem Erwerb des Grundstücks war klar, dass ohne die Zustimmung und symbolische Beteiligung der lokalen Ältesten kein harmonisches Miteinander möglich sein würde.
Die rituelle Zeremonie zur Einweihung des Geländes war mehr als eine Formalität – sie war ein Akt der Verbundenheit und des Respekts. Als bei der ersten Bohrung kein Wasser gefunden wurde, war dies nicht nur technisch, sondern auch kulturell ein Misserfolg. Ich musste lernen, dass in dieser Phase nicht Effizienz, sondern Beziehung zählt.
Erst nach einer zweiten, tiefer verankerten Zeremonie und einem gezielt formulierten Vertrag mit der Bohrfirma („Wasser oder keine Bezahlung“) floss endlich Wasser. Diese Phase forderte meine Geduld, mein Einfühlungsvermögen und mein Vertrauen in lokale Weisheiten. Ohne diese tiefe kulturelle Verwurzelung hätte FAUN nie die Zustimmung der Gemeinschaft erhalten.
Mein Durchhaltevermögen bestand darin, zuzuhören, zu lernen und nicht vorschnell zu handeln – obwohl der Druck groß war, Ergebnisse zu liefern.
Phase 2: Rot – Energie ohne Kontrolle
Die zweite Phase war geprägt von Dynamik, Macht und Kontrollverlust – typisch für die rote Werteebene. Ein externer Techniker, voller Selbstbewusstsein und scheinbarer Expertise, versprach schnelle Ergebnisse. Doch die Realität sah anders aus: Statt der bestellten Sasso-Küken aus Belgien kamen Tiere aus Marokko. Die Mortalitätsrate war hoch, die Produktion blieb weit hinter den Erwartungen zurück.
Als sich der Betrug abzeichnete, zog sich der Techniker zurück – bevor Konsequenzen greifen konnten. Ich stand vor einem Scherbenhaufen. Doch aufgeben kam nicht infrage. Ich analysierte, restrukturierte und entschied mich, neu zu beginnen – diesmal mit Legehennen, auf Vorschlag eines Partners, der mir zur Seite stand.
Aber auch dieser Neustart war nicht frei von roten Einflüssen: Zwei Mitarbeitende betrieben während ihrer Anstellung eigene Geschäfte und vernachlässigten ihre Aufgaben massiv. Erst durch versteckte Videoaufnahmen konnten die Verstöße bewiesen werden. Mein persönlicher Einsatz bestand darin, auch in Momenten tiefster Enttäuschung Verantwortung zu übernehmen, klare Konsequenzen zu ziehen und gleichzeitig den Glauben an die ursprüngliche Vision nicht zu verlieren.
Phase 3: Blau – Struktur, Ordnung und Integrität
Nach den chaotischen Erfahrungen war es an der Zeit, die blaue Werteebene bewusst zu stärken: mit Strukturen, Regeln und Kontrolle. Ich entschied mich, einen vertrauenswürdigen und erfahrenen Partner als externen Begleiter einzusetzen. Seine physische Abwesenheit im Alltag war kein Nachteil – im Gegenteil: Sie gab dem Team Raum zur Eigenverantwortung und zeigte Vertrauen.
In dieser Phase führte ich Listen ein, definierte klare Rollen und etablierte geregelte Abläufe. Die Farm erlebte eine stabile Zeit – fast vier Monate ohne größere Konflikte oder Verluste. Doch die Herausforderung war nicht die Struktur allein, sondern die Fähigkeit, sie durchzuhalten und vorzuleben. Meine Ausdauer wurde auf eine neue Art gefordert: als geduldiger Beobachter, der nur eingreift, wenn es nötig ist. Nicht Kontrolle um der Kontrolle willen, sondern Führung durch Prinzipien. Diese Erfahrung war essenziell, um das Vertrauen meiner Mitarbeitenden wiederzugewinnen.
Phase 4: Orange – Wachstum und Ambition (2022)
Mit der neuen Phase wuchs FAUN sichtbar: Ein zweiter Stall wurde gebaut, neue Technikerin eingestellt, ein Gewinnbeteiligungsmodell eingeführt. Alles deutete auf die orange Werteebene hin: Zielorientierung, Leistung, Erfolg.
Und es funktionierte – acht Monate lang. Doch Orange birgt Risiken: Individualismus, Manipulation, Machtspiele. Die neue Technikerin entwickelte rasch Eigeninteressen, die nicht mehr mit den Zielen von FAUN vereinbar waren. Ohne Rücksprache wurden Lagerbestände manipuliert – 8 Tonnen Futter verschwanden. Ein immenser finanzieller Verlust.
Ich musste erneut durchgreifen – und wieder den Reset-Knopf drücken. Der Druck war enorm. Doch ich blieb. Ich stellte mich der Verantwortung, kommunizierte offen mit dem Team und begann erneut, die Grundlagen zu sichern. Mein Durchhaltevermögen wurde nun nicht nur organisatorisch, sondern auch wirtschaftlich auf die Probe gestellt.
Phase 5: Reifung – Werteorientierte Führung
Nach dieser Krise offenbarte sich die Stärke des Fundaments: Die verbliebenen Mitarbeitenden entschieden sich bewusst, auf 25 % ihres Gehalts über fünf Monate zu verzichten – ein starkes Zeichen von Loyalität und Verbundenheit. Dies war keine Anweisung von oben, sondern Ausdruck eines gereiften Verständnisses gemeinsamer Verantwortung.
Ich intensivierte die Anwendung der 9 Levels, um mein Führungshandeln noch stärker an den real gelebten Wertesystemen auszurichten. Ich erkannte, wie wichtig es ist, kulturelle Prägungen, individuelle Bedürfnisse und teamdynamische Prozesse im täglichen Tun zu berücksichtigen. Ich führte strukturierte Reflexionsrunden ein, investierte in Gespräche und in neue Rollenmodelle.
In dieser Phase wurde mein Durchhaltevermögen zur inneren Haltung: Nicht mehr nur kämpfen, sondern formen. Nicht mehr nur reagieren, sondern gestalten. Die Vision von FAUN bekam Tiefe – nicht nur im Output, sondern im Miteinander.
Heute steht FAUN nicht nur für Eierproduktion, sondern für unternehmerische Resilienz, kulturelle Sensibilität und wertebasierte Führung. Die Reise war voller Rückschläge – aber noch voller Erkenntnisse. Ich habe gelernt, dass Multikulturalität kein Hindernis ist, sondern eine Einladung zur Reifung.
Mein Fazit
Die Geschichte von FAUN ist noch lange nicht zu Ende. Aber sie beweist schon heute: Wer mit Werten führt, baut nicht nur eine Organisation – er schafft Bedeutung.